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Ratgeber · KI im Vertrieb

KI-Tools für den B2B-Vertrieb: welche Werkzeuge wofür

Es gibt nicht das eine beste KI-Tool für den Vertrieb. Legen Sie zuerst fest, welche Aufgabe die KI übernehmen soll – Recherche, Texte, Protokolle oder die Frage, wen Sie heute anrufen –, und wählen Sie danach das Werkzeug. Diese Übersicht ordnet die gängigen Werkzeuge nach Aufgaben, Stand Oktober 2026.

Von Florian Weippert, Gründer von DEALMAKERS, Mitgründer der KI-Agentur PrioX und Master „Business with AI“ – seit rund 20 Jahren im B2B-Vertrieb. Stand: Oktober 2026.

Das Wichtigste in Kürze

  • Es gibt nicht das eine beste KI-Tool: Erst die Aufgabe festlegen, dann das Werkzeug wählen.
  • Für den Einstieg reichen meist ein allgemeiner KI-Assistent und die KI-Funktionen im vorhandenen CRM.
  • Spezialwerkzeuge lohnen sich für Aufgaben, die täglich anfallen, etwa Gesprächsprotokolle oder Firmen mit aktuellem Anlass.
  • Abgerechnet wird pro Nutzer, nach Verbrauch oder im CRM-Paket. Vergleichen Sie in Kosten pro Nutzer und Jahr.
  • Jedes Werkzeug sollte seine Ergebnisse ins CRM schreiben und Firmendaten mit Quelle und Datum belegen.
  • Messen Sie den Erfolg an Kundengesprächen pro Woche, nicht daran, wie oft KI genutzt wird.

Welches KI-Tool ist das beste für den Vertrieb?

Das eine beste KI-Tool für den Vertrieb gibt es nicht. Die richtige Frage lautet nicht „Welches Werkzeug?“, sondern „Welche Aufgabe soll die KI übernehmen?“. Ein Werkzeug, das Gespräche sauber protokolliert, findet keine neuen Kunden. Und ein Datenanbieter mit Millionen Kontakten schreibt Ihnen kein Angebot.

Ob Ihr Team schon mit KI arbeitet oder gerade erst anfängt: Drei Fragen bringen Ordnung in die Auswahl.

  1. Wo verliert Ihr Vertrieb heute die meiste Zeit? Bei der Recherche, beim Schreiben, bei Protokollen, bei der Pflege des CRM, also der Kundendatenbank Ihres Vertriebs, oder bei der Frage, welche Firmen Sie überhaupt anrufen sollen?
  2. Was haben Sie schon? Viele Office-Pakete und CRM-Systeme bringen heute eigene KI-Funktionen mit. Prüfen Sie zuerst, was davon in Ihrem Tarif steckt, bevor Sie ein weiteres Werkzeug kaufen.
  3. Woran messen Sie den Erfolg? An gesparten Stunden und zusätzlichen Kundengesprächen, nicht an der Zahl der Funktionen.

Erst danach lohnt der Blick auf einzelne Anbieter. Was KI im Vertrieb grundsätzlich leisten kann und wo ihre Grenzen liegen, steht im Ratgeber KI im Vertrieb. Hier geht es um die Werkzeuge.

Welche KI-Tools gibt es für welche Aufgabe im Vertrieb?

Für jede Aufgabe im Vertrieb gibt es heute mehrere KI-Tools, von allgemeinen KI-Assistenten bis zu Spezialanbietern. Die Tabelle ordnet sie nach neun Aufgaben. Alle Beispiele haben wir im Oktober 2026 auf den Websites der Anbieter geprüft: Jedes genannte Werkzeug bietet die Funktion laut eigener Darstellung an. Die Auswahl ist herstellerneutral und nicht vollständig. Wo es sie gibt, stehen Anbieter aus Deutschland und der EU neben den bekannten US-Werkzeugen.

AufgabeWas die KI übernimmtBeispielwerkzeuge (Stand Oktober 2026)Worauf Sie achten
Recherche vor dem Gesprächdurchsucht Website, Nachrichten und Berichte einer Firma und fasst sie zu einem Kurzprofil mit Quellen zusammenChatGPT und Gemini (jeweils „Deep Research“, eine gründliche Recherche über viele Quellen), Microsoft 365 Copilot (Recherche-Agent), Mistral (Paris) mit seinem Assistenten VibeQuelle mit Datum zu jeder Aussage; Geschäftsversion statt privatem Konto
Firmen mit aktuellem Anlass findenbeobachtet öffentliche Quellen und meldet Veränderungen und Kaufsignale, die einen Anruf gerade jetzt sinnvoll machen, etwa neue Stellen, Führungswechsel, Finanzierungen oder Besuche auf Ihrer WebsiteLeadfeeder (früher Dealfront, Daten in der EU), Cognism, Clay, PrioX (der Autor ist Mitgründer)Quelle, Datum und zuständige Person zu jedem Anlass; passen die Arten von Anlässen zu Ihrem Geschäft?
Kontakt- und Firmendatenliefert Ansprechpartner, Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Firmenkennzahlen, teils direkt ins CRMNorth Data (Hamburg, Daten aus Registern und Jahresabschlüssen), Cognism, ApolloHerkunft und Alter der Daten; im Test nachzählen, wie viele Nummern wirklich stimmen
E-Mails und Texteentwirft E-Mails, LinkedIn-Nachrichten und Antworten und fasst lange E-Mail-Verläufe zusammenMicrosoft 365 Copilot (in Outlook), Gemini (in Gmail), Claude, Schreibhilfen im CRM wie bei Pipedriveeigene Vorlagen und Beispiele hinterlegen; kein Versand ohne Freigabe durch einen Menschen
Gesprächsvorbereitung und Rollenspielschlägt Fragen, Einwände und ein Gesprächsziel vor und spielt im Rollenspiel den skeptischen Kundenallgemeine Assistenten mit Sprachmodus wie Claude, Retorio (München), Second Nature, Sales Coach von SalesforceLässt sich das Rollenspiel mit Ihren echten Einwänden und Ihrer Branche füttern?
Gesprächsnotizen und -analysezeichnet Video- und Telefongespräche auf, schreibt Protokoll und nächste Schritte, wertet Redeanteil und Einwände austl;dv (Aachen), Modjo (Paris), Fireflies, GongQualität auf Deutsch; automatische Übergabe ins CRM; Einbindung in Ihr Videokonferenz-Programm
KI im CRMfasst die Kundenhistorie zusammen, schlägt nächste Schritte vor, schreibt Mail-Entwürfe und erinnert an Angebote, die hängenHubSpot (Breeze), Salesforce (Agentforce), Pipedrive, ADITO (Geisenhausen, KI in Deutschland betrieben)Was steckt in Ihrem Tarif, was kostet nach Verbrauch extra?
Angebotebaut aus Gesprächsnotizen und Ihren Textbausteinen einen Angebotsentwurf und übernimmt Kundendaten aus dem CRMMicrosoft 365 Copilot (in Word), PandaDoc, allgemeine Assistenten mit Ihren eigenen TextbausteinenPreise, Rabatte und Zusagen prüft immer ein Mensch; klare Regeln, wer freigibt
Prognose und Pipeline (die offenen Angebote)prüft offene Angebote gegen die tatsächliche Aktivität, zeigt Risiken und schätzt, was im Quartal wirklich kommtGong (Forecast), Clari Forecast (heute im Angebot von Salesloft), Pipedrive, ADITOlohnt erst, wenn das CRM gepflegt ist; sonst rechnet die KI mit falschen Zahlen

Drei Hinweise zum Lesen der Tabelle:

  • Viele Werkzeuge decken mehr als eine Zeile ab. Entscheidend ist, für welche Aufgabe Sie das Werkzeug kaufen.
  • Namen und Zuschnitte ändern sich schnell. Dealfront tritt inzwischen als Leadfeeder auf, Mistral stellt seinen Assistenten inzwischen als Vibe vor, und Clari Forecast gehört heute zum Angebot von Salesloft. Prüfen Sie vor jeder Entscheidung den aktuellen Stand.
  • Allgemeine Assistenten sind der Einstieg, Spezialwerkzeuge die Vertiefung. Vier der neun Aufgaben deckt ein guter Assistent mit festen Vorlagen bereits ab: Recherche, Texte, Vorbereitung und Angebotsentwürfe.

Welcher allgemeine KI-Assistent passt zu Ihrem Team?

Welcher allgemeine Assistent passt, hängt vor allem davon ab, womit Ihr Team schon arbeitet. Wer Microsoft 365 nutzt, bekommt mit Microsoft 365 Copilot die KI direkt in Outlook, Word und Teams. Wer mit Google Workspace arbeitet, hat Gemini in Gmail und Drive. ChatGPT und Claude laufen unabhängig davon und lassen sich mit anderen Programmen verbinden. Wer einen Anbieter mit Sitz in der EU sucht, findet ihn zum Beispiel in Mistral aus Paris.

Für den Vertrieb ist eine andere Frage wichtiger als die Marke: Läuft der Assistent über ein Firmenkonto? Vorlagen, Gesprächsnotizen und Kundendaten gehören dem Unternehmen, nicht dem privaten Konto eines Mitarbeiters, der vielleicht im nächsten Quartal wechselt. Bei ChatGPT Business etwa schreibt der Anbieter, dass Ihre Daten nicht zum Trainieren der Modelle verwendet werden.

Wann lohnt sich ein Spezialwerkzeug?

Ein Spezialwerkzeug lohnt sich, wenn eine Aufgabe jeden Tag anfällt, mehrere Leute betrifft und ihr Ergebnis im CRM landen muss. Typische Beispiele sind Gesprächsprotokolle bei vielen Video-Terminen, Kontaktdaten für die Telefonakquise und die tägliche Auswahl der Firmen, bei denen sich gerade etwas tut. Für gelegentliche Recherche oder eine Mail am Tag reicht der allgemeine Assistent.

Der Teil der Tabelle, den viele unterschätzen, ist die Zeile „Firmen mit aktuellem Anlass“. Ein Anlass ist ein öffentlich sichtbares Ereignis, das einen Anruf gerade jetzt sinnvoll macht, etwa ein neuer Standort oder eine neue Geschäftsführung. Eine bessere E-Mail spart Minuten, der richtige Zeitpunkt entscheidet, ob überhaupt ein Gespräch entsteht. Welche Anlässe für welche Angebote zählen, steht im Ratgeber Gesprächsgründe für die Kaltakquise.

Was kosten KI-Tools für den Vertrieb?

KI-Tools für den Vertrieb werden nach drei Modellen abgerechnet: pro Nutzer und Monat, nach Verbrauch über ein Guthaben oder als Teil Ihres CRM-Pakets. Bei Spezialanbietern kommt oft ein Paket dazu, dessen Preis erst nach einem Gespräch feststeht. Konkrete Preise nennen wir bewusst nicht: Pakete, Namen und Preise ändern sich häufig, wie die Umbenennungen oben zeigen.

PreismodellSo wird abgerechnetTypisch beiWorauf Sie achten
Pro Nutzer und Monatfeste Gebühr je Platz, oft mit Jahresbindung; teils mit kostenlosem Einstiegallgemeinen Assistenten wie Microsoft 365 Copilot, ChatGPT oder Claude; Gesprächsnotizen wie tl;dv oder FirefliesPlätze nur für die, die täglich damit arbeiten; ungenutzte Plätze kosten mit
Nach VerbrauchSie kaufen ein Guthaben, oft „Credits“ genannt; jeder aufgedeckte Kontakt oder jede Aufgabe eines KI-Agenten verbraucht davonKontaktdaten wie bei Cognism oder Apollo; KI-Agenten im CRM wie bei HubSpot oder SalesforceWas kostet eine Einheit, und was passiert, wenn das Guthaben leer ist?
Im CRM-Paket enthaltenGrundfunktionen stecken im Tarif, mehr gibt es in höheren Stufen oder gegen VerbrauchKI-Funktionen in CRM-Systemen wie HubSpot oder SalesforceWelche Funktion steckt in Ihrem Tarif, welche erst eine Stufe höher?
Paket nach GesprächPreis nach Teamgröße und Bedarf, oft mit einer festen Zahl von Plätzenspezialisierten Daten- und Analyseanbietern, etwa CognismGesamtpreis pro Jahr, Laufzeit, Kündigung und Export Ihrer Daten

Vergleichen Sie Angebote deshalb immer in derselben Einheit: Kosten pro Nutzer und Jahr, einschließlich Verbrauch, Einrichtung und Laufzeit. Eine niedrige Monatsgebühr kann teurer werden als ein Paket, wenn jeder aufgedeckte Kontakt Guthaben kostet.

Die Lizenz ist dabei oft der kleinere Teil der Kosten. Dazu kommen die Anbindung an CRM und E-Mail, die Pflege der Daten, die Eingewöhnung im Team und jemand, der die Ergebnisse regelmäßig prüft. Eine Beispielrechnung, ob sich das lohnt, steht im Ratgeber KI im Vertrieb im Abschnitt für Geschäftsführer.

Woran erkennen Sie das richtige KI-Tool für Ihr Team?

Das richtige KI-Tool erkennen Sie daran, dass es eine klar benannte Aufgabe aus Ihrem Alltag löst, mit Ihrem CRM zusammenarbeitet und sich an Ihren eigenen Daten bewährt hat. Diese sieben Fragen helfen in jedem Anbietergespräch:

  1. Welche Aufgabe genau? Eine Zeile aus der Tabelle oben, nicht drei. Notieren Sie, wie lange diese Aufgabe heute dauert, damit Sie nach dem Test vergleichen können.
  2. Wie kommt das Ergebnis ins CRM? Gute Werkzeuge schreiben Protokolle, Kontakte und Aufgaben dorthin zurück, wo Ihr Team ohnehin arbeitet. Sonst entsteht eine weitere Liste, die nach drei Wochen niemand mehr pflegt.
  3. Woher stammen die Daten? Zu jeder Angabe über eine Firma gehören Quelle und Datum, die Sie selbst nachlesen können. Fragen Sie, was das Werkzeug tut, wenn es etwas nicht weiß. Die richtige Antwort lautet: Das Feld bleibt leer. Ein leeres Feld ist besser als ein erfundener Name.
  4. Wer prüft die Ergebnisse? Legen Sie fest, wer Texte, Daten und Protokolle kontrolliert, bevor etwas beim Kunden landet, und wie lange das dauern darf. Wenn das Prüfen länger dauert als die Arbeit selbst, rechnet sich das Werkzeug nicht.
  5. Was kostet es pro Nutzer und Jahr? Mit Verbrauch, Einrichtung, Laufzeit und nur den Plätzen, die Sie wirklich brauchen.
  6. Können Sie es an Ihren eigenen Daten testen? Nicht an einem vorbereiteten Beispiel des Anbieters, sondern an zehn Firmen oder Gesprächen aus Ihrem Alltag, mit festem Enddatum. Achten Sie dabei auf die Qualität auf Deutsch, gerade bei Protokollen und Texten.
  7. Wo werden Ihre Kundendaten gespeichert und wofür nutzt der Anbieter sie? Ihre Kundenliste und Ihre Gesprächsnotizen gehören zu den wertvollsten Dingen in Ihrem Vertrieb. Fragen Sie deshalb geschäftlich nüchtern: Trainiert der Anbieter seine KI damit? In welchem Land stehen die Server? Und wie bekommen Sie bei einer Kündigung alles vollständig zurück?

Spricht ein Anbieter von „KI-Agenten“, also von Software, die Aufgaben selbstständig erledigt statt nur Vorschläge zu machen, kommen weitere Fragen dazu: Was darf der Agent ohne Freigabe tun, und wer stoppt ihn? Die passenden Prüffragen stehen im Ratgeber KI-Agenten im Vertrieb.

Mit welchen KI-Tools sollte ein Vertriebsteam anfangen?

Ein Vertriebsteam sollte mit zwei bis drei Bausteinen anfangen, nicht mit einem Werkzeug für jede Zeile der Tabelle. Welche Bausteine passen, hängt vor allem von der Größe des Teams ab.

Kleines Team mit einer bis fünf Personen

  1. Ein allgemeiner KI-Assistent in der Geschäftsversion für alle, mit drei festen Vorlagen: Recherche vor dem Gespräch, Mail nach dem Termin, Angebotsentwurf. Damit sind vier Zeilen der Tabelle abgedeckt.
  2. Die KI-Funktionen Ihres vorhandenen CRM für Zusammenfassungen, nächste Schritte und Erinnerungen. Gibt es noch kein CRM, wählen Sie eines mit eingebauter KI statt eines Zusatzwerkzeugs.
  3. Bei Bedarf ein Werkzeug für Gesprächsnotizen, wenn Sie viele Video-Termine führen. Mehrere Anbieter haben einen kostenlosen Einstieg, mit dem Sie die Qualität auf Deutsch prüfen können.

Firmendaten und Anlässe kommen erst dazu, wenn diese Bausteine im Alltag laufen. Für ein kleines Team ist es oft einfacher, die Auswahl der richtigen Firmen und die ersten Gespräche von außen erledigen zu lassen, zum Beispiel über eine Kaltakquise-Agentur.

Größeres Team ab zehn Personen

  1. Ein Assistent für alle, zentral verwaltet, mit gemeinsamen Vorlagen und einer Person, die sie pflegt. So arbeitet die neue Kollegin ab der zweiten Woche nach derselben Methode wie der erfahrene Kollege.
  2. KI im CRM plus Gesprächsaufzeichnung mit CRM-Anbindung. Protokolle landen automatisch beim richtigen Kunden, und die Vertriebsleitung sieht, worüber in den Gesprächen wirklich gesprochen wird. Daraus wird Coaching statt Kontrolle.
  3. Eine Quelle für Firmen mit aktuellem Anlass, die ihre Ergebnisse als Aufgabe ins CRM schreibt. Ab zehn Vertrieblern lohnt sich eine Vorauswahl, die jedem morgens sagt, wen er heute anruft und warum.

Ein Werkzeug für Prognosen kommt bei größeren Teams als Letztes dazu, denn es ist nur so gut wie die Pflege des CRM. Teams mit sechs bis neun Personen starten wie kleine Teams und nehmen den dritten Baustein dazu, sobald die Vorlagen sitzen.

Welche Fehler passieren bei der Auswahl von KI-Tools am häufigsten?

Nach unserer Erfahrung passieren bei der Auswahl von KI-Tools immer wieder dieselben vier Fehler: zu viele Werkzeuge, keine gemeinsamen Vorlagen, die falsche Kennzahl und Werkzeuge, die mehr versprechen, als im Vertrieb gut ist.

Zu viele Werkzeuge

Zu viele Werkzeuge bremsen den Vertrieb, statt ihn zu entlasten. In der Umfrage „State of Sales“ von Salesforce unter 4.050 Vertriebsleuten arbeitet nur ein Drittel der Vertriebsteams mit einer einzigen Plattform. Die übrigen nutzen zusätzlich oder ausschließlich einzelne Werkzeuge, im Schnitt acht pro Team. 42 Prozent der befragten Vertriebler fühlen sich von zu vielen Werkzeugen überfordert. Und 51 Prozent der Vertriebsleiter, die KI nutzen, sagen, dass getrennte Systeme ihre KI-Vorhaben verzögern oder begrenzen.

Die Regel dagegen ist einfach: Ein neues Werkzeug kommt nur dazu, wenn es ein altes ersetzt oder seine Ergebnisse ins CRM schreibt.

Keine gemeinsamen Vorlagen

Ohne gemeinsame Vorlagen bekommt jeder im Team eine andere Qualität. Wenn jeder seine eigenen Anweisungen an die KI schreibt, die sogenannten Prompts, sind manche Ergebnisse gut und viele Mittelmaß. Feste Vorlagen für die drei, vier häufigsten Aufgaben sorgen dafür, dass Texte gleich gut sind, Daten immer mit Quelle kommen und Neue nicht bei null anfangen. Eine gute Vorlage funktioniert in fast jedem Assistenten. Noch einfacher wird es mit einem KI-Agenten, der die Vorarbeit für alle gleich erledigt: Dann schreibt im Team niemand mehr Prompts für Recherche und Vorbereitung.

Für Rollenspiele gilt das besonders. In derselben Salesforce-Umfrage sagen 41 Prozent der Vertriebler, dass sie vor Kundengesprächen zu wenig Gelegenheit haben, im Rollenspiel zu üben. KI kann diese Lücke schließen, aber nur mit einer Vorlage, die Ihre echten Einwände und Ihre Kunden kennt.

Die falsche Kennzahl

Die falsche Kennzahl lässt ein KI-Tool erfolgreich aussehen, ohne dass mehr Umsatz entsteht. Gemessen wird oft, wie viele Nachrichten verschickt wurden oder wie häufig das Team die KI nutzt. Beides sagt wenig darüber, ob mehr Aufträge kommen. Aussagekräftiger sind Kundengespräche pro Woche und Person.

Wie groß der Unterschied sein kann, zeigt unsere eigene Telefonakquise. Ohne KI-Auswahl, ohne Direktnummer und ohne zu wissen, ob jemand gerade erreichbar ist, führen 100 Wählversuche nach unserer Erfahrung zu etwa 10 bis 20 Gesprächen und ein bis drei Terminen. Mit KI-Auswahl, Direktnummer und unserer App, die live zeigt, ob die Person gerade in einem Termin ist und wann sie wieder erreichbar ist, sind in passenden Projekten unter optimalen Bedingungen bis zu 50 Gespräche und 20 Termine möglich (Spitzenwerte aus DEALMAKERS-Projekten, kein Durchschnitt, keine Zusage). Der Hebel liegt also in der Auswahl, wen Sie wann anrufen, und nicht in der Zahl der Anrufe oder Mails.

Werkzeuge, die die Ansprache ganz übernehmen sollen

Werkzeuge, die versprechen, selbst anzurufen oder tausende Mails am Tag zu verschicken, sind für den B2B-Vertrieb selten die richtige Wahl. Sie verbrauchen Ihren Markt schneller, als sie Kunden gewinnen. Was dabei rechtlich gilt und warum ein gut vorbereiteter Mensch am Telefon mehr bewirkt, steht im Ratgeber KI in der Kaltakquise.

Welche Werkzeuge nutzt DEALMAKERS selbst?

DEALMAKERS nutzt KI-Werkzeuge aus wenigen Gruppen und setzt sie dort ein, wo sie Vertriebszeit sparen. Das Gespräch selbst bleibt beim Menschen.

  • Anlässe erkennen: Welche Firmen gerade einen Grund für ein Gespräch haben, liefert PrioX, eine KI-Agentur für den gesamten Vertrieb (der Autor ist Mitgründer). PrioX wertet laufend Stellenanzeigen, Unternehmensnachrichten und Registereinträge aus. DEALMAKERS beobachtet über 40 Arten von Anlässen, in den meisten Projekten tragen fünf bis acht davon den Großteil der Termine.
  • Erreichbarkeit: Unsere App zeigt live, ob die Person gerade in einem Termin ist und wann sie wieder erreichbar ist. Allein dadurch erreichen wir bis zu 60 Prozent mehr der gewünschten Personen (Erfahrungswert).
  • Vorbereitung und Texte: allgemeine KI-Assistenten mit festen Vorlagen für die Gesprächsvorbereitung, Zusammenfassungen und die Mail nach dem Termin. Die Vorbereitung eines Anrufs hat früher 30 bis 40 Minuten gedauert, mit KI heute etwa 5 Minuten – bis zu 90 Prozent weniger Recherchezeit (Erfahrungswert aus der eigenen Akquise). Jede Angabe über eine Firma braucht eine Quelle mit Datum, sonst wird sie nicht verwendet.

Die Gespräche führen erfahrene Vertriebsprofis. Unsere Kunden bekommen bestätigte Termine mit Protokoll, die ersten Termine nach zwei bis vier Wochen. Eine gezielt bearbeitete Liste von rund 200 Unternehmen bringt im Monat typischerweise etwa 20 qualifizierte Termine, und etwa 60 Prozent der vereinbarten Termine führen beim Kunden zu einem Angebot (schwankt je nach Projekt). Grundlage dieser Erfahrungswerte sind über 20 Kundenprojekte und rund 10.000 Anrufe seit 2021, mit der Vorerfahrung des Teams 100.000 und mehr Anrufe. Wie das als Leistung funktioniert, steht unter Appointment Setting, also der Terminvereinbarung für Ihren Vertrieb.

Will Ihr Team die Werkzeuge selbst einführen, klären wir in der KI-Beratung für den Vertrieb, welche zwei Aufgaben zuerst an die KI gehen: KI-Vertriebscheck, Pilot über 30 Tage, Einführung bis Tag 90, gemessen an Kundengesprächen pro Woche. Wie Vorlagen gebaut werden, zeigt der KI-Workshop für Vertriebsteams.

Unsere Empfehlung: Wie starten Sie mit KI-Tools im Vertrieb?

Starten Sie mit zwei Aufgaben, einem allgemeinen Assistenten und der KI in Ihrem vorhandenen CRM. Ein Spezialwerkzeug kaufen Sie erst, wenn eine Aufgabe täglich anfällt und sich ihr Nutzen messen lässt.

  1. Aufgaben wählen: Suchen Sie sich zwei Zeilen aus der Tabelle aus, die Ihr Team heute am meisten Zeit kosten, und messen Sie, wie lange sie dauern.
  2. Vorhandenes prüfen: Schauen Sie nach, welche KI-Funktionen Ihre Office-Lizenz und Ihr CRM schon mitbringen.
  3. Vorlagen bauen und testen: Zwei oder drei Leute aus dem Team arbeiten zwei bis vier Wochen mit festen Vorlagen, an echten Firmen und Gesprächen.
  4. Entscheiden: Zählen Sie Kundengespräche pro Woche und die gesparte Zeit. Dann führen Sie die Lösung im Team ein, passen sie an oder lassen sie bewusst sein. Erst danach kommt die nächste Aufgabe.

Kurz gesagt

Den Unterschied machen nicht die Werkzeuge, sondern die Aufgabe, die Vorlage und die Kennzahl. Wer diese drei Dinge klärt, kommt mit wenigen Werkzeugen aus.

Florian Weippert, Vertriebsberater und Trainer, Gründer von DEALMAKERS, bei einem Vortrag

Über den Autor

Florian Weippert

Florian Weippert verkauft seit rund 20 Jahren im B2B und beschäftigt sich genauso lange mit der Frage, warum Menschen kaufen und warum nicht. Bei PayPal lag er dauerhaft über 200 % seines Ziels und hat die Inside-Sales-Academy mit aufgebaut. Als externer Director Business Development eines Berliner Fintechs verantwortete er Abschlüsse bis 500.000 Euro, bei Couplink verdoppelte er den Umsatz in zehn Monaten. Abschlüsse hat er mit kleinen und mittleren Unternehmen genauso gemacht wie mit Konzernen, Mittelständlern mit über einer Milliarde Euro Umsatz und weltweit führenden und bekannten Consumer Brands.

Seine Methode verbindet Vertriebspraxis mit Verhaltens- und Verhandlungspsychologie. Ausgebildet ist er unter anderem in Verhandlungsführung, Verhaltensanalyse und Mimikresonanz sowie als NLP-Master. Mit Vertriebsleuten hat er über 300 Coachings geführt. Aufgeschrieben hat er die Methode im 384-seitigen Handbuch „The Magic of Sales – Emotional Resonance®“. Heute berät und trainiert er mit DEALMAKERS B2B-Vertriebsteams, auch beim Einsatz von KI im Vertrieb – dafür hat er 2025 den Master „Business with AI“ an der Hochschule Fresenius abgeschlossen, zusätzlich zu seinem in Oxford erworbenen MSc in Business Management. Er ist Mitgründer von PrioX, einer KI-Agentur für den gesamten Vertrieb.

Mehr über Florian Weippert

Häufige Fragen

Welches KI-Tool ist das beste für den Vertrieb?

Das eine beste KI-Tool für den Vertrieb gibt es nicht. Für Recherche, Texte und Gesprächsvorbereitung reicht meist ein allgemeiner Assistent wie ChatGPT, Microsoft 365 Copilot, Gemini oder Claude mit festen Vorlagen. Für Protokolle, Kontaktdaten oder Firmen mit aktuellem Anlass gibt es Spezialwerkzeuge. Das passende Werkzeug ist das, das eine klar benannte Aufgabe löst, mit Ihrem CRM zusammenarbeitet und von Ihrem Team jeden Tag genutzt wird.

Was sind AI Sales Tools?

AI Sales Tools, auf Deutsch KI-Vertriebstools, sind Programme, die Vertriebsaufgaben mit künstlicher Intelligenz unterstützen. Sie recherchieren Firmen, schreiben Entwürfe, protokollieren Gespräche, liefern Kontaktdaten, melden Firmen mit aktuellem Anlass oder erstellen Prognosen. Dazu gehören allgemeine KI-Assistenten, KI-Funktionen im CRM und Spezialanbieter. Sinnvoll eingesetzt nehmen sie Vorarbeit ab, das Gespräch führt weiter ein Mensch.

Was kosten KI-Tools für den Vertrieb?

KI-Tools für den Vertrieb werden meist pro Nutzer und Monat, nach Verbrauch über ein Guthaben oder als Teil des CRM-Pakets abgerechnet. Spezialanbieter nennen den Preis oft erst nach einem Gespräch. Vergleichen Sie Angebote in Kosten pro Nutzer und Jahr, einschließlich Verbrauch, Einrichtung und Laufzeit. Die Lizenz ist dabei oft der kleinere Teil der Kosten, dazu kommen Einrichtung, Datenpflege und Eingewöhnung.

Gibt es KI-Vertriebstools aus Deutschland oder der EU?

Ja, zum Beispiel (Stand Oktober 2026) tl;dv aus Aachen für Gesprächsnotizen, Retorio aus München für Rollenspiele, ADITO aus Geisenhausen als CRM mit eigener KI und North Data aus Hamburg für Registerdaten. Aus Frankreich kommen Modjo für die Gesprächsanalyse und Mistral als allgemeiner Assistent. Leadfeeder, früher Dealfront, verarbeitet und speichert seine Daten laut eigener Angabe in der EU. Fragen Sie trotzdem jeden Anbieter, wo Ihre Kundendaten liegen und wofür er sie nutzt.

Reicht ChatGPT für den Vertrieb?

Für Recherche, Texte, Gesprächsvorbereitung und Rollenspiele reicht ein allgemeiner Assistent wie ChatGPT oft aus, wenn das Team mit festen Vorlagen arbeitet. Für die Kundenhistorie, Gesprächsprotokolle und die laufende Beobachtung Ihrer Zielfirmen brauchen Sie zusätzlich die KI im CRM oder ein Spezialwerkzeug. Nutzen Sie in jedem Fall eine Geschäftsversion, damit Vorlagen und Daten dem Unternehmen gehören.

Wie viele KI-Tools braucht ein Vertriebsteam?

Für den Anfang zwei bis drei: einen allgemeinen Assistenten, die KI im vorhandenen CRM und je nach Engpass ein Spezialwerkzeug. In der Umfrage State of Sales von Salesforce nutzen Teams ohne einheitliche Plattform im Schnitt acht einzelne Werkzeuge, und 42 Prozent der Vertriebler fühlen sich von zu vielen Werkzeugen überfordert. Ein neues Werkzeug lohnt sich nur, wenn es ein altes ersetzt oder seine Ergebnisse ins CRM schreibt.

Brauche ich ein neues CRM, um KI im Vertrieb zu nutzen?

Meist nicht. Gängige CRM-Systeme wie HubSpot, Salesforce oder Pipedrive und auch deutsche Anbieter wie ADITO bringen eigene KI-Funktionen mit. Prüfen Sie zuerst, was in Ihrem Tarif enthalten ist und was nach Verbrauch extra kostet. Ein Wechsel lohnt sich eher, wenn das CRM heute kaum gepflegt wird, denn dann hilft auch KI wenig.

Quellen

  • Salesforce: State of Sales, 7. Ausgabe, 2026. Befragung von 4.050 Vertriebsleuten in 22 Ländern, darunter Deutschland, August bis September 2025: www.salesforce.com
  • Salesforce: Salesforce Announces State of Sales Report for 2026, 03.02.2026: www.salesforce.com

Welche zwei Aufgaben übernimmt KI bei Ihnen zuerst?

Im KI-Workshop sortieren wir mit Ihrem Team, welche Aufgaben sich lohnen und welche Werkzeuge Sie dafür schon haben. Für Teams ab drei Personen klärt die KI-Beratung das in einem Pilot über 30 Tage.